Liebe Bürgerinnen und Bürger,

vor sechs Jahren habe ich das Amt der Bürgermeisterin der Stadt Esens in einer schwierigen Zeit der Krise übernommen. Die Belastung durch den Rechtsstreit um die Entlastungsstraße in Bensersiel war sehr groß. Der Tourismusbetrieb war durch die Sanierung der Therme in große finanzielle Schieflage geraten. Wir brauchten eine finanzierbare Lösung für die Altenwohnungen, um weiterhin bezahlbaren und sanierten Wohnraum anbieten zu können. Und wir wollten gestalten: Den Marktplatz und die Marktstraße – barrierefreier Ausbau, mehr Raum für Fußgänger*innen, mehr Atmosphäre für das Herz unserer Innenstadt. In Bensersiel wollten wir ins Förderprogramm Dorferneuerung, um auch dort genau diese Ziele verfolgen zu können: barrierefreier Ausbau, mehr Raum für Fußgänger*innen, mehr Atmosphäre, Schaffung einer Ortsmitte als Ort der Begegnung, des Miteinanders.

 

Neben diesen herausfordernden großen Aufgaben und Zielen standen weitere im Blickfeld. Arbeitsplatzsicherung und -ausbau für unsere Bürger*innen, Stärkung des Ehrenamtes, Erhalt unserer ausgezeichneten Bildungsstätten vor Ort – dazu gehört selbstverständlich und ausdrücklich auch die BBS hier in Esens, Erhaltung unserer guten ärztlichen Versorgung, Stärkung der Innenstadt, Lenkung der Bautätigkeiten, Förderung von kulturellen Veranstaltungen, Zusammenarbeit mit der Samtgemeinde Esens und dem Landkreis Wittmund mit dem gemeinsamen Gestalten wichtiger Bauprojekte in Esens , wie z.B. die KiTa „Bärenhöhle“ oder der zur Zeit stattfindende Neubau des Stadions „An der Peldemühle“ und…und…und.

Daneben die vielen Gespräche mit dem Bürger*innen und das gemeinsame finden von Lösungen bei Problemen oder Anregungen.

 

Die Aufgaben, die sich aus all dem ergeben sind so vielfältig, so unterschiedlich, so wichtig wie das Leben in unserer Stadt. Die Arbeit so herausfordernd, anspruchsvoll, lebendig, zeitaufwendig und so schön, wie man es sich nur vorstellen kann.

 

War ich in den ersten Jahren oft müde und erschöpft? Ja!

Habe ich es jemals bereut dieses Amt übernommen zu haben? Niemals!

 

Jetzt am Ende der Legislaturperiode kann ich sagen, das wichtigste Problem ist gelöst, viele sind auf einem guten Weg.

Der Rechtsstreit um die Entlastungsstraße in Bensersiel ist beigelegt. Die Straße ist gesichert und geöffnet. Sie ist unerlässlich für unsere touristische Entwicklung. Nun sind wir endlich in der Lage Bensersiel weiterzuentwickeln und zu gestalten. Dringend notwendig, wollen wir in Zukunft wettbewerbsfähig bleiben. Esens-Bensersiel ist ohne Gäste undenkbar. Der Tourismus ist unser bedeutendster Wirtschaftsfaktor, schafft und sichert nachhaltig Einkommen und Arbeitsplätze und steigert unsere Lebensqualität. Durch die Corona Pandemie und deren Auswirkung auf den Tourismus erleben viele von uns eine existenzielle Bedrohung. Deshalb ist es für uns alle wichtig, dass wir mit unserer neuen Geschäftsführerin die in den letzten Jahren begonnene Qualifizierung, Umstrukturierung und wirtschaftlichen Stabilisierung des TEB und der EBT-GmbH fortführen.

Unsere dringlichste städtebauliche Aufgabe in Bensersiel ist jetzt die Umgestaltung der Ortsdurchfahrt und der Ortsmitte mit dem Ziel die Aufenthaltsqualität und Attraktivität Bensersiels zu erhöhen.

 

Unsere Aufgabe in Zeiten des Klimawandels ist es einen nachhaltigen Tourismus und eine nachhaltige Lebens- und Wirtschaftsweise zu etablieren. Dazu gehört die Bewahrung unserer Naturlandschaft, das Anbieten von barrierefreiem Tourismus für alle, aber auch von bezahlbarem Wohnraum und guten Lebens- und Arbeitsbedingungen und einer nachhaltigen Wettbewerbs- und Investitionsfähigkeit.

 

Esens und Bensersiel zusammen sind höchst attraktiv für unsere Gäste. Bensersiel punktet durch kurze Wege zur Infrastruktur und dem schönsten Strand, Esens als Einkaufsstadt mit besonders schöner Atmosphäre durch die mittelalterliche Struktur, dem wunderschönen Marktplatz. Es ist unser geschätzter, geliebter Ort der Begegnung, unser Einkaufs- und Erlebnisraum. Hier wird täglich Dienstleistung gelebt, sind Waren aus der Region erhältlich, finden Menschen Arbeit. Wir haben eine funktionierende Innenstadt. Aber Corona hat uns gezeigt, wie zerbrechlich dieser Zustand ist und wie wichtig eine Stärkung und Bewahrung unserer Innenstadt ist, wollen wir hier auch in Zukunft Vielfalt, Anregung und Unterhaltung erleben.

Deshalb gilt es die mittelalterliche Struktur zu schützen, Denkmäler zu erhalten, die barrierefreie Umgestaltung mit den historischen Leuchten weiterzuführen. Unsere vielen Fachgeschäfte brauchen – in Zeiten des Onlinehandels – unsere Unterstützung. Wichtig ist zudem, dass Esens lebendiger, kultureller Veranstaltungsort bleibt.

 

Esens und Bensersiel zusammen sind höchst attraktiv auch für Bauwillige und Investoren. Wir beobachten seit einiger Zeit eine Entwicklung der beträchtlichen Preiserhöhung von Mieten, Wohneigentum und Baugrundstücken. Es gibt kaum noch Angebote auf dem Wohnungsmarkt zu finden.

Bezahlbaren Wohnraum für unsere Bürger*innen zu schaffen ist deshalb eine zentrale Aufgabe städtischer Politik. Deshalb werden wir in den neuen Baugebieten privaten Mietwohnungsbau fördern, alternative Wohnformen, wie z.B. genossenschaftliches Wohnen oder Mehrgenerationenwohnen unterstützen, Bereiche für Mehrfamilienhäuser ausweisen.

Eine Fortführung der Esenser Siedlungs- und Bodenbevorratungspolitik ist für uns Garant, dass junge Familien sich auch in Zukunft bei uns ein bezahlbares Eigenheim leisten können. Dabei stellen wir uns der Aufgabe unsere neuen Baugebiete und -vorhaben unter naturverträglichen Aspekten zu planen.

 

Neben diesen zentralen Themen Innerstädtische Entwicklung, Tourismus und bezahlbarem Wohnraum gibt es viel weitere wichtige Handlungsfelder.

 

Straßenausbau gehört dazu, Erneuerung der Fuß- und Radwege, die Umsetzung des Oberflächenentwässerungskonzeptes. Für die Jugend möchten wir einen Calisthenics Park am Westplatz in Esens errichten und die kostenfreie Nutzung der Sporthallen und -plätze sicherstellen. Wir brauchen eine gute digitale Infrastruktur und eine Verbesserung des ÖPNV, weitere durchgehende Zugverbindungen aus Richtung Oldenburg in Fernverkehrsqualität.

 

Viele Themen, viele Aufgaben, die nur durch das gute Zusammenwirken vieler, vieler Hände zu guten Lösungen zu bringen sind.

Und das ist meine Erfahrung: Unendlich viele Bürger*innen tragen dazu bei, Esens so liebenswürdig zu erhalten. Ich bin immer wieder tief beeindruckt, was Sie liebe Bürger*innen leisten. Das unverzichtbare Netz von Aktiven, die sich bei uns in den Dienst des Gemeinwohls stellen, ist außergewöhnlich groß und funktioniert ausgezeichnet. Sie alle, wir alle sind miteinander vernetzt und verwoben, verbunden im Großen wie im Kleinen und bilden zusammen unsere soziale Gemeinschaft mit unseren, manchmal sehr eigenen Regeln und Ordnungen nach Esenser Art! Wir wissen wer wir sind und was uns ausmacht.

Dieses Netzwerk, diese fast selbstverständliche, offene, großzügige Hilfsbereitschaft und Wertschätzung- wie ich sie persönlich über die Jahre unzählige Male erleben durfte, stützt und trägt uns. Dabei ist es unsere Identität als Esenser, die für uns handlungsleitend ist, gemäß dem Motto unserer Geschichte und Tradition (es ist das Motto unserer Kompagnie): Altes erhalten, Neues gestalten.

 

Wir wissen nicht, was uns die Zukunft bringt, das hat Corona uns gezeigt, aber wir wissen, was uns wichtig ist. Es sind die Menschen, die uns nah sind, denen wir unser Vertrauen schenken und die uns vertrauen. Ich bin davon überzeugt, gemeinsam werden wir weiterhin die jetzigen und zukünftigen Herausforderungen bewältigen, besonnen und gelassen, mit Beharrlichkeit, Mut und Weitsicht.

 

Und wir werden nicht vergessen das Gute und Schöne im Leben zu sehen, zu genießen und zu feiern! Wir sind Esenser. Wir schöpfen unsere Kraft, Zuversicht und Lebensfreude aus unserem „Zusammen Wirken“ und unserem „Miteinander Sein“.

 

Das ist unsere Stärke. Unser Herz schlägt für unsere Stadt!

 

Es ist für mich ein großes Glück mit ihnen zusammen daran teilhaben zu dürfen. Unsere schöne Stadt Esens wird weiterwachsen und sich entwickeln. Gerne würde ich diese Entwicklung mit Ihnen zusammen weiter begleiten.

 

Ihre Karin Emken, Bürgermeisterin